Typische Sichtbetonmängel und Ihre Ursachen.

Was gilt im Sichtbeton als Mangel und worin liegt die Ursache? Mit dieser Frage beschäftigen sich Architekten, Bauunternehmer, Wissenschaftler und auch immer wieder Gerichte.

Die typischen, wiederkehrenden Mängel bei Sichtbeton wurden mittlerweile identifiziert und ihre wahrscheinlichen Ursachen festgestellt. Ein Experte auf diesem Gebiet ist Joachim Schulz, der seit Jahrzehnten die Planung, Herstellung und Fehlersuche bei hochwertigem Sichtbeton begleitet.

In seinem Sichtbetonatlas wird auch das wichtige Thema Mangel gestriffen und wir freuen uns, dass er uns diese Leseprobe zur Verfügung stellt. Dafür an dieser Stelle vielen Dank.

Viel Spass beim Lesen.

Philipp Mathies

Typische Sichtbetonmängel und Ihre Ursachen

  • hell/dunkel Verfärbungen
  • Betonwarzen
  • Bluten
  • Kalkausblühungen
  • Lunker
  • Nester
  • Rostflecken
  • Schlieren
  • Verfärbungen, bräunlich
  • Vermehlung
  • Wasserlinsen
  • Wolkenbildung

 

Eine Leseprobe aus dem Sichtbeton Atlas von Joachim Schulz Kapitel 3.7 Typische Sichtbetonmängel und Ihre Ursachen

 

3.7 Typische Sichtbetonmängel und ihre Ursachen (Ausführlicher in dem Buch Sichtbetonmängel)

 

 

 

Bereiche – hell/dunkel (Abb. 70)

Klar abgegrenzte hell/dunkel-Bereiche auf Schalungsflächen von Betonbauteilen haben ihre Ursachen in den meisten Fällen in einer unterschiedlichen Saugfähigkeit des Schalungsmaterials. Für unregelmäßige hell/dunkel-Bereiche ist meist eine stark unterschiedlicheTrennmittelmenge verantwortlich.

 

 

 

 

Betonwarzen (Abb. 71)

Betonwarzen sind nach dem Ausschalen an Schalungsstoßkanten sichtbare oder durch Benutzung von Betonschalungen mit zu geringer Eigenfeuchte auftretende Betonüberschüsse, die nach dem Erhärten betonkosmetisch behandelt werden müssen.

 

 


Bluten

Als Bluten wird das Abstoßen oder Absondern von Wasser eines fertig gemischten, eingebrachten und verdichteten Mörtels oder Betons bezeichnet. Das Phänomen Bluten tritt während oder nach der Verarbeitung eines Mörtels oder Betons auf und dauert bis zum Beginn des Erstarrungs- bzw. Erhärtungsprozesses an.

Einflussfaktoren auf das Bluten sind:

– Feinanteile – Mehlkorngehalt

– Wassergehalt

– Zementart und Feinheit

Vermeidung von Bluten:

– Sieblinie optimieren, d. h. entsprechend hohen Anteil an Mehlkorn

– Wenn möglich schnellere bzw. feinere Zemente verwenden

– Gesamtwassergehalt minimieren

 

 

 

Kalkausblühungen (Abb. 72)

Kalkausscheidungen und Kalkablagerungen auf Flächen sind die Folge nach außen abwandernden oder durch  Niederschlag provozierten Kalkhydrats, das entsprechend des bereits erwähnten chemischen Umwandlungsprozesses in Form schwer löslichen Kalziumkarbonates an der Oberfläche als helle Flecken erscheint.

Sandgestrahlte Flächen sind strukturoffene und damit der Außenfeuchte besonders zugängliche Flächen. Das bedeutet
eine physikalisch-chemische Bereitschaft des jungen Betons, z. B. unter Einfluss von Niederschlag partiell zu  Kalkausblühungen zu neigen. Die Ursache von Kalkausblühungen beruht auf der Aufnahme von Oberflächenfeuchte, die im Zusammenspiel mit dem alkaliintensiven Kalkhydrat des Betons und der Aggressivität des Kohlendioxids der Luft zur  chemischen Umwandlung von Kalziumhydroxid in Kalziumkarbonat zur weißen Kristallisierung führt und zwar,  witterungsabhängig, innerhalb relativ kurzer Zeit.

 

 

 

Lunker (Abb. 73)


Lunker (Luft- und Wassereinschlüsse) sind bei ausgeglichener Verteilung und normaler Dimensionierung „Schönheitsfehler“
und im Zusammenhang mit nicht saugenden Schalungen kaum ganz zu vermeiden. Luft- und Wassereinschlüsse von
mehreren Quadratzentimetern und Tiefen über ein Zentimeter sind technisch ein Mangel und müssen betonkosmetisch behandelt werden. Ein Grund für einen zu großen Anteil an Verdichtungsporen ist im Zusammenspiel aus

– Frischbetonkonsistenz,

– Betonzusammensetzung,

– Verdichtungsenergie zu suchen.

 

 

 

Nester (Abb. 74)

Nester sind ungewollte Ansammlungen von Gesteinskörnung mit dichtem Gefüge.


Ursachen können sein:

– unzureichende Verdichtung

– undichte Stoßfugen

– unzureichender Bewegungsspielraum der Bewehrung

 

 

Rostflecken (Abb. 75)

Während der Erhärtungsphase des Betonteils kommt es durch die Schwindverkürzungen zu einem „Aufschlüsseln“ des Betonelements. Es entsteht speziell im Randbereich ein Spalt zwischen Betonelement und Schalung. In diesem Spalt kann es durch Kondenswasserbildung zur Bildung von Rost kommen. Die frischen Rostblumen „wachsen“ zur Betonoberfläche und
zeichnen sich dort ab. Trotz der im Trennmittel vorliegenden rostschützenden Wirkung kann es vorkommen, dass durch die (bewusst) niedrige Auftragsmenge und durch den Umstand, dass nach dem Abheben des Betonelements der extrem dünne Trennmittelfilm gestört ist, das Bauteil nicht mehr vor Rosterscheinungen geschützt ist. Es gibt spezielle „Rostschutztrennmittel“ mit einer sehr hohen Konzentration an Rostinhibitoren (Verzögerer), die dieses Problem behandeln könnten.

 

 

 

Schlieren (Abb. 76)

Bei einem unregelmäßigen Auftrag des Trennmittels und der damit verbundenen unregelmäßigen Filmdicke kommt es häufig auf den Schalungsflächen zu Schlierenbildung.

 

 

 

Verfärbungen, bräunlich (Abb. 77)


Das Schadensbild bräunliche Verfärbungen tritt auf, wenn z. B.die Schalungstafeln mit einer Beschichtung auf Phenol-Harz-
Basis versehen sind. Aber auch bei unzureichender Vernetzung (Härtungsstörungen) der Beschichtung kann es durch den
Kontakt mit Zementleim und darin enthaltener Bestandteile zu chemischen Reaktionen kommen (Folge: intensive bräunliche
Verfärbungen).

 

 

Vermehlung

Dabei handelt es sich um eine oberflächenbezogene Hydratationsbeeinträchtigung, demzufolge der oberste Zementsteinabschluss nicht oder nur unzureichend abbindet. Bei Versandungen oder Blutungen pflegt das Feinkorngerüst durch Wasserablauf mehr oder minder freigelegt zu werden. Bei Vermehlungen ergibt sich ein starker Staubeffekt, der ggf. unter Einfluss nachträglicher, witterungsbedingter oder gezielter Feuchtigkeit nachzuhydratisieren vermag, sofern die oberste Zementsteinhaut nicht auf der Schalung verbleibt.

Ursachen hierfür können sein:

– Wasserentzug übertrockneter Schalung

– Überdosierung des Trennmittels

– Holzinhaltsstoffe (z. B. Holzzucker)

 

 

Wasserlinsen (Abb. 78)

Ein typisches Schadensbild an den Schalungsflächen von Betonbauteilen sind Wasserlinsen. Dieser Mangel unterscheidet
sich deutlich von so genannten Lunkern (Verdichtungsporen) Die Ursache ist häufig in der Auftragsmenge der  verwendeten Trennmittel zu suchen.

 

 

Wolkenbildung (Abb. 79)

Das Schadensbild der Wolkenbildung entsteht i. d. R. nur dann, wenn der Frischbeton eine erhöhte Neigung zum „Wasserabsondern“ (Bluten) aufweist. Dieses „Blutwasser“ steigt dann an der vertikalen Schalungsseite nach oben und verursacht dort „Wasserwolken“ wobei der Zementanteil an diesen Stellen ausgewaschen wird.




http://www.sichtbeton-atlas.de/


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