FAQ-Welche Planungsliteratur gibt es für Sichtbeton ?

Wie tiefgehend die Detailbetrachtung des Sichtbetons seien sollte, wird anhand des folgenden Textauszugs deutlich.

Eine Leseprobe aus dem Buch "Sichtbeton-Planung" mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dipl.-Ing. Joachim Schulz - SCHULZ Architekten, Berlin.

 

 

4.2 Heftmittel
4.2.1 Allgemeines


Heftmittel, in der Frühzeit der Holzwerkstoff-Betonschalung allein normale, später gehärtete Stahlnägel, dienten im funktionellen Sinne ausschließlich der Befestigung der Schalhaut am hölzernen Untergrund. Bezüglich einer Einflussnahme auf die Betonfläche machte man sich keine Gedanken, zumal es sich vorrangig um Vorsatzschalungen dünner Querschnittsdimension und damit geringer Dickenquellung handelte.


Mit der Konzeption konventioneller Schalungselemente, also am Bau erstellter Einheiten aus Holz mit vielzähliger Einsatzhäufigkeit und demzufolge leistungsfähiger Holzwerkstoff-Hautplatten – meist aus Furnier- Sperrholz mittlerer Dicke – bediente sich der Praktiker hochwertiger Schrauben, u. U. sogar aus Messing, deren Flachköpfe oftmals abgespachtelt wurden, dem Sichtbetoncharakter zweckdienlich gerecht zu werden.


Die Nagel-Industrie war es schließlich, die im Zuge des verstärkten Wettbewerbs einerseits und dem Bestreben zweckdienlicher Methoden andererseits den sog. Schraubnagel entwickelte, einer Heft-Type, die eine Synthese zwischen normalem Nagel und hochwertiger Schraube darstellte und, sofern es sich als sinnvoll herausstellte, mittels Pressluftgerät „eingeschossen“ werden konnte. Im gleichen Zusammenhang wurden Sondereinheiten geschaffen, also rostfreie Stähle oder Hartaluminiumlegierungen, um im Zusammenhang mit anspruchsvollen Betonflächen Korrosionsansätze auszuschließen.


Um im Zusammenhang mit funktionellen Betonflächen, vor allen Dingen des Innenausbaus, und bei der Verarbeitung relativ trockener Holzwerkstoffschalung und der sich daraus später – d. h. unter Witterungs- oder Betonfeuchteneinfluss – ergebenden Materialquellungen, u. U. bis zu 10 % der Plattendicke, was bei einer ca. 21 mm Schalung, etwa 2 mm entspricht, die bei Flachköpfen den folgenden „Betonwarzen“ oder Noppen zu vermeiden oder zumindest zu mindern, bedienten sich versierte Baupraktiker der Linsenkopf-Schraubnägel aus nicht rostendem Material als letzte Entwicklungsstufe.


In diesem Sinne unterscheiden wir heute:


4.2.1.1 Stahlstifte
Stahl-Stifte mit „Tiefsenkkopf“, normal oder gehärtet dienen meist in einer Länge von ¾ “ der Befestigung von 4 oder 8-mm-Vorsatzschalungen. Der lang gezogene konische, auch als gestaucht bezeichnete Kopf hinterlässt kaum sichtbare Spuren auf der Betonfläche, sollte aber bei Sichtbetonforderungen geringfügig, per Dorn, „eingeschlagen“ und abgespachtelt werden, um evtl. Korrosionsansätzen, besonders bei mehrfacher Verwendung der Schalung, zu begegnen.
Sofern, und das gilt vorrangig für 4-mm-Vorsatzschalungen, das Versenken der Köpfe bez. einer kraftschlüssigen Halterung technisch fragwürdig ist, sollte man zweckdienlicher nichtrostendes Material mit bündigem Abschluss verwenden.


Im anwendungstechnischen Sinne sollte in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hingewiesen werden, dass dünne, flexible Vorsatzschalungen, meist aus Furnier-Sperrholz, nur bei ausreichender Eigenfeuchte (ca. 20 bis 24 %) verarbeitet, also befestigt werden, um spätere Materialausdehnungen und damit betonzugewandten Wölbungen, die zu Lasten der Planebenflächigkeit der Betonfläche gehen, zu vermeiden.


4.2.1.2 Maschinen-Drahtstifte


Maschinen-Drahtstifte (gem. DIN EN 10 230-1 [1.18]), eisenblank oder galv. verzinkt, mit Senkkopf, allg. 1 ¾ “ sind die Standardausführung für selbsttagende, ca. 21/22 mm dicke Schalungshautplatten, sofern an die Betonoberfläche keine Anforderungen gestellt werden und geringe Einsatzhäufigkeiten anstehen. Die glatten Schäfte geben die Gewähr einer leichten Demontage. Zur Vermeidung von Korrosionsflecken sind verzinkte Stifte vorzuziehen.
Um Betonwarzenbildungen weitestgehend zu vermeiden, ist es zweckmäßig, Holzwerkstoffschalungen mit ca. 18 % Eigenfeuchte zu verarbeiten.
Für alle Arten von Heftungen gilt die anwendungstechnische Forderung einer geradlinigen Ausrichtung, die widrigenfalls eine Mängelrüge rechtfertigt, auch bei untergeordneten Betonflächen.


4.2.1.3 ISO-Doppelnägel


Doppelnägel bestehen in ihrem unteren, tragenden Teil aus einem Drahtstift gem. DIN EN 10 230-1 [1.18]. Der obere Teil dient, ohne tragende Funktion, der Kraftschlüssigkeit des eigentlichen Nagels beim Einschlagen bis zum Kopf und vor allen Dingen einer zerstörungsfreien Entschalung, also Demontage der Hautplatte gegenüber evtl. Montageleisten.


4.2.1.4 Nagelschrauben


Nagelschrauben mit Senk- oder Halbrundkopf stellen eine Synthese zwischen Nagel und Holzschraube dar. Sie haben ein ringförmiges Gewinde, welches im Holz bzw. in der Werkstoff-Betonschalung einen guten Haftwert erreicht. Die Haftwerte liegen jedoch unter denen der sog. Schraubnägel (siehe Abschnitt 4.2.1.5), da das rel. enge Nagelschrauben-Gewinde einen Teil der Holzfasern beim Einschlagen zerstört.
Nagelschrauben werden üblicherweise in eisenblank und verzinkt geliefert.
Für Schalungszwecke sind sie bedingt zu empfehlen.


4.2.1.5 Schraubnägel


Schraubnägel mit Senk- oder Linsenkopf sind Spezialausführungen für den Betonschalungsbereich, in eisenblanker, verzinkter und rostfreier, ggf. auch in Hartaluminium-Ausführung, bei denen der Schaft mittels langgezogenem Gewinde einen optimalen Haftwert im Holzwerkstoff erreicht.


Sie werden ohne Vorbohrung, praktisch wie ein einfacher Nagel per Hammer eingeschlagen.
Beim Eintreiben dreht sich der Schraubnagel, bei geringster Zerstörung der Holzfaser, seinem Gewinde folgend, durch die Hautplatte in den Träger hinein.


Ein zweckdienlicher Schraubnagel weist unter dem Kopf ein gewindefreies Stück auf, damit er sich bei den letzten Schlägen in dem zu vernagelnden Material frei drehen und ähnlich einer Holzschraube „ziehen“ kann. Hierdurch wird ein größtmöglicher Anpressdruck erreicht. Schraubnägel sind dann optimal zweckdienlich – nicht rostend und mit Linsenkopf – wenn es darum geht, für Schalungselemente mit größerer Einsatzhäufigkeit einen kraftschlüssigen, konstruktiven Verbund sicherzustellen. Bei sinnvoller Eigenfeuchte (ca. 18 %) und der Verwendung von Linsenköpfen, bei nicht rostendem Material gibt es praktisch keinerlei anwendungstechnische Einschränkungen.
Bezüglich ausführungstechnischer Wirtschaftlichkeit sollten, vor allen Dingen im Schalungswerk, Pressluftgeräte der Verarbeitung dienen.


http://www.sichtbeton-planung.de/


SCHULZ Architekten

Unternehmensbereich der IGS

Qualitätsmanagement im Bauwesen

Real Estate Valuation

Ulmenallee 53 14050 Berlin

Tel.: +49(0)30-300 98 30

Fax: +49(0)30-300 98 311

E-mail: <mailto:IGS_Schulz@t-online.de> IGS_Schulz@t-online.de

Web: <http://www.igs-schulz.de/> www.IGS-Schulz.de